Fassadenintegrierte Habitat-Systeme für Insekten im urbanen Raum können eine Ergänzung zu natürlichen Lebensräumen sein. Sie bieten sowohl Schutz als auch Nistmöglichkeiten und haben das Potential, in gewissem Umfang zum Erhalt der Artenvielfalt beizutragen. Die Maßnahme ist im Hinblick auf Bestandsgebäude auch effizient, da diese in den Städten bereits vorhanden sind. Möglicherweise kann so auch das Bewusstsein für die Bedeutung von Insekten sowie ihre gleichberechtigte Existenz im urbanen Raum erhöht werden. Beim Einsatz solcher Systeme sind sowohl die ökologische Wirksamkeit als auch bauphysikalische Auswirkungen und soziale Aspekte zu beachten.
Im Rahmen des Projektes ist nun ein Artikel zu den sozialen Aspekten der Wahrnehmung und Bewertung solcher Habitat-Systeme entstanden. Darin wird ein Modell entwickelt und beschrieben, welches mehrere Ansätze aus Soziologie bzw. Sozialpsychologie integriert und somit einen möglichst umfassenden Blick auf die komplexe Thematik ermöglicht. Konkret sind dies das Norm Activation Model (NAM), die Theory of Planned Behaviour (TPB), die Value Belief Norm Theory (VBN) sowie die Typologie gesellschaftlicher Naturbeziehungen des Biodiversitätsrats (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services, IPBES). Insbesondere die Verwendung der letztgenannten Typen (namentlich „living from nature“, „living with nature“, „living in nature“ und „living as nature“) ermöglichen eine Erweiterung der sonst oft engen, ökonomischen Perspektive, wenn es um den Wert der Natur und Beziehungen zwischen Mensch und Natur geht. Das Model mit dem Titel „Theory-driven model of public acceptance of NbS” (TMA) kann sowohl als Grundlage für zukünftige Forschung in diesem Bereich dienen als auch Stakeholder aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft bei der Implementation von NbS unterstützen.
Der Artikel ist im Open-Access-Verfahren erschienen und kann unter der folgenden Online-Adresse abgerufen werden:
Ruddat, M. / Sonnberger, M. / Kropp, C. (2026): Modelling public acceptance of nature-based solutions – The example of façade-integrated habitats for insects. Nature-Based Solutions, 9, 1-10, https://doi.org/10.1016/j.nbsj.2026.100303.
Hintergrundinformationen
Das Projekt UrbanInsects (Langtitel: UrbanInsects: Fassadenintegrierte Habitat-Systeme für Insekten) wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) gefördert. Das BfN und das BMUKN fördern im Bundesprogramm Biologische Vielfalt aktuell viele weitere Projekte, die Maßnahmen für ökologische Stadtnatur umsetzen.
Mit dem Förderschwerpunkt Stadtnatur im Bundesprogramm Biologische Vielfalt wird eine zentrale Maßnahme des Masterplans Stadtnatur umgesetzt, den die Bundesregierung 2019 als Maßnahmenprogramm für lebendige und attraktive Städte verabschiedet hat. Ziel ist es, den Anteil an naturnahen, arten- und strukturreichen Grün- und Freiflächen im Siedlungsbereich durch ein ökologisches Grünflächenmanagement zu erhöhen und die biodiversitätsfördernde Durchgrünung von Städten und Gemeinden zu verbessern.
Weitere Informationen zu UrbanInsects können auf der offiziellen Projekthomepage abgerufen werden: https://www.iabp.uni-stuttgart.de/urbi.
| Kontakt | UrbanInsects Koordination: Daniela Schätzel |
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