Zu sehen sind Teilnehmende einer Arbeitsgruppe, wie sie über Herausforderungen bei der Umsetzung von MAR-Projekten diskutieren. ©

Managed Aquifer Recharge: Dialog über neue Ansätze für die Wassersicherheit in Lima, Peru

12. August 2026 /

Workshop des Projekts NEWA 2 diskutiert Potenziale der kontrollierten Grundwasseranreicherung als naturbasierte Lösung für die Wasserversorgung Limas

Die Metropolregion Lima steht vor wachsenden Herausforderungen bei der Sicherung ihrer Wasserversorgung. Klimawandel, zunehmende Urbanisierung, die Degradation von Ökosystemen und ein steigender Wasserbedarf erfordern neue und nachhaltige Ansätze im Umgang mit den vorhandenen Wasserressourcen. Eine mögliche ergänzende Strategie ist die Managed Aquifer Recharge (MAR), die kontrollierte Anreicherung von Grundwasser.

Im Rahmen des Projekts NEWA 2 veranstaltete das Zentrum für Interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung der Universität Stuttgart (ZIRIUS) gemeinsam mit dem peruanischen Fondo de Agua para Lima y Callao (Aquafondo) am 09. Juli 2026 den Workshop „Managed Aquifer Recharge als naturbasierte Lösung für die Wassersicherheit Limas“. Ziel war es, das Potenzial der kontrollierten Grundwasseranreicherung zu diskutieren und gemeinsam Voraussetzungen für ihre zukünftige Umsetzung in Peru zu identifizieren. Die Erfahrungen aus der Pilotanlage des Vorgängerprojekts NEWA-LIMA bildeten dabei eine wichtige praktische Grundlage für den fachlichen und politischen Austausch.

Fachlicher Austausch über institutionelle Grenzen hinweg

Der Workshop brachte Vertreterinnen und Vertreter aus öffentlichem Sektor, internationaler Zusammenarbeit, Wissenschaft und Privatwirtschaft zusammen. Beteiligt waren unter anderem die peruanische Nationale Wasserbehörde (ANA), SUNASS, PROINVERSIÓN, OEFA, SENACE, das Ministerium für Wohnungsbau, Bauwesen und Sanitärversorgung (MVCS), die Weltbank, die deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) sowie die Nationale Universität für Ingenieurwesen (UNI). Auch Fachleute aus der Privatwirtschaft brachten ihre Erfahrungen im Bereich der Abwasserbewirtschaftung und der Grundwasseranreicherung ein.

Neben technischen Aspekten standen insbesondere die institutionellen Rahmenbedingungen für eine langfristige Umsetzung von MAR im Mittelpunkt. Dabei wurde auch die Bedeutung naturbasierter Lösungen und natürlicher Infrastruktur für die Verbesserung der Wasserverfügbarkeit und die Erhöhung der Resilienz gegenüber klimatischen Veränderungen diskutiert.

Zu sehen sind Teilnehmende einer Arbeitsgruppe, wie sie über Herausforderungen bei der Umsetzung von MAR-Projekten diskutieren. ©
Teilnehmende einer Arbeitsgruppe diskutieren über Herausforderungen bei der Umsetzung von MAR-Projekten.

Herausforderungen und Handlungsfelder identifiziert

In zwei Arbeitsgruppen zu den Themen „Governance und institutionelle Rahmenbedingungen“ sowie „Umsetzung und Skalierung“ wurden zentrale Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten für MAR herausgearbeitet.

Der Austausch zeigte deutlich, dass MAR ein Potenzial besitzt, zur Stärkung der Wassersicherheit Limas beizutragen. Gleichzeitig wurden fünf zentrale Handlungsfelder für eine erfolgreiche Umsetzung identifiziert:

  • Institutionelle Verantwortung: Eine gemeinsame Federführung der Nationalen Wasserbehörde (ANA) und des Ministeriums für Wohnungsbau, Bauwesen und Sanitärversorgung (MVCS) sowie ein interinstitutionelles Umsetzungsgremium sollen die Entwicklung einer MAR-Strategie koordinieren.
  • Rechtliche Rahmenbedingungen: Klare Regelungen für die Bewirtschaftung von Oberflächen- und Grundwasser, die Wiederverwendung aufbereiteten Abwassers sowie geeignete Qualitätsstandards und Investitionsanreize sind erforderlich.
  • Koordination auf Einzugsgebietsebene: Die Flussgebietsräte (Consejos de Recursos Hídricos de Cuenca) sollen gestärkt und multisektorale Arbeitsgruppen etabliert werden.
  • Technische Kapazitäten: Fachwissen in hydrogeologischer Modellierung, Monitoring und datengestütztem Wasserressourcenmanagement soll ausgebaut werden.
  • Beteiligung der Bevölkerung: Eine frühzeitige und systematische Einbindung der Zivilgesellschaft sowie Maßnahmen zur Information und Sensibilisierung sollen die langfristige Akzeptanz von MAR fördern.

Die Ergebnisse des Workshops werden im weiteren Verlauf des Projekts NEWA 2 systematisiert und dienen als Grundlage für die nächsten Schritte zur Förderung der Managed Aquifer Recharge in Peru.

NEWA 2 wird vom Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) im Rahmen des Förderprogramms „Exportinitiative Umweltschutz“ finanziert und vom Zentrum für interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung der Universität Stuttgart (ZIRIUS) koordiniert. Gemeinsam mit dem Technologiezentrum Wasser (TZW) und weiteren deutschen Partnern sowie peruanischen Institutionen untersucht das Projekt innovative Ansätze zur Erschließung neuer Wasserressourcen und zur nachhaltigen Wasserbewirtschaftung in der Metropolregion Lima. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Erprobung und Demonstration innovativer Verfahren zur Wiederverwendung von Wasser und zur Grundwasseranreicherung.

Kontakt

Dipl.-Ing. Christian D. León
ZIRIUS
Universität Stuttgart
Seidenstr. 36
70174 Stuttgart

E-Mail: christian.leon@zirius.uni-stuttgart.de

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