Senkrechtperspektive auf das Wohngebiet Winterhalde ©

Wärmewende im Quartier – was bewegt Anwohner*innen?

19. August 2026 /

Transformationen wie die Wärmewende werden oft zentral und unter der Perspektive wirtschaftlicher und technischer Faktoren geplant. Die Perspektive von Anwohner*innen findet dabei nur wenig Aufmerksamkeit. Im Projekt DiTEnS suchen wir daher den Dialog mit Anwohner*innen, unterstützt durch eine Vielzahl eigens entwickelter digitaler Tools.

Die Wärmeversorgung von Gebäuden trägt maßgeblich zum Energieverbrauch in Deutschland bei. Dies geht mit weitreichenden Auswirkungen auf Umwelt und Klima einher. Wie auch bei anderen Sektoren soll daher eine Reduktion der Treibhausgasemissionen durch Verbrauchsminderung, Effizienzsteigerungen und Substitution fossiler Energieträger erreicht werden. Dies ist zum Beispiel der aktuellen Gesetzeslage zur schrittweisen Steigerung regenerativer Energien in der Wämeversorgung zu entnehmen (Gebäudemodernisierungsgesetz).

Während das Gesamtziel hinreichend klar ist, ist der Prozess zur Erreichung dieses Ziels gerade im Gebäudesektor durch die Vielzahl an involvierten Akteuren komplex. Teilweise bemühen sich Eigentümer*innen individuell um eine Modernisierung ihrer Gebäude und Wohnungen, teilweise werden auf kommunaler Ebene Quartierslösungen durch Wärmenetze verfolgt. Eine Verknüpfung beider Ansätze ist jedoch bislang ungenügend umgesetzt. Dabei ist gerade der Austausch der betroffenen Akteure relevant, um die Transformation in eine Richtung zu lenken, die eine sichere, klimafreundliche, wirtschaftliche und umsetzbare Wärmeversorgung langfristig gewährleisten kann. Diese Herausforderung adressieren wir im Projekt DiTEnS mit einem Dialogprozess mit Mieter*innen und Eigentümer*innen, beispielhaft im Quartier Winterhalde in Stuttgart-Bad Cannstatt.

Im ersten Schritt haben wir Interviews mit Eigentümer*innen und Anwohner*innen der Winterhalde geführt. Über verschiedene Medien wie Hauswurfsendungen, telefonische Ansprache und einen Infostand im Quartier wurden anschließend Teilnehmer*innen für den geplanten Dialogprozess akquiriert. Vor Ort zeigten sich dabei auch die Eigenschaften des Fallgebiets: einerseits ein von Ruhe und hoher Wohnqualität geprägtes Quartier, das diverse Wohnmöglichkeiten wie Eigentum, Mietverhältnisse oder genossenschaftliches Wohnen vereint. Andererseits eben hierdurch die Herausforderung verschiedener Einzelinteressen und Zielen, um eine klimaneutrale Wärmeversorgung voranzubringen. Der Stadtteil Winterhalde steht damit stellvertretend als ein typisches Viertel in der Wärmewende.

Zu sehen ist Christian D. León im Austausch mit einer Anwohner*in ©
Zu sehen ist Janina Moschner im Austausch mit einer Anwohner*in ©
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Janina Moschner, Christian D. León, Abdul Azzam & Nils Egger im Gespräch mit Anwohner*innen

Interessierte Teilnehmer*innen sind im Folgenden dazu eingeladen, ihre Perspektive und ihre Wünsche in Bezug auf die zukünftige Wärmeversorgung in einem Dialogprozess einzubringen. In insgesamt vier Workshops sollen in Anlehnung an Pohl & Hirsch Hadorn (2006) der derzeitige Zustand der Wärmeversorgung in der Winterhalde („Systemwissen“), die individuelle sowie quartiersübergreifende Zukunftsvorstellung („Zielwissen“) sowie Möglichkeiten und Pfade der Veränderung dorthin („Transformationswissen“) erarbeitet werden. Zur Unterstützung des Prozesses werden eigens von unseren Projektpartnern HLRS, IEH, IER und IGTE entwickelte digitale Tools eingesetzt, die – gesteuert durch Präferenzen der Teilnehmer*innen – die Zusammenhänge in der Wärmeversorgung erfahrbar machen. Dieses strukturierte Vorgehen erlaubt einerseits ein klares Verständnis der Herausforderungen der Wärmewende, andererseits wird der Einsatz von digitalen Tools reflektiert und auf seine Wirkung im Dialog untersucht.

Pohl, C. & Hirsch Hadorn, G. (2006). Gestaltungsprinzipien für die transdisziplinäre Forschung. Oekom, München.

DiTEnS wird durch die Carl-Zeiss-Stiftung gefördert: https://www.carl-zeiss-stiftung.de/themen-projekte/uebersicht-projekte/detail/sri-ditens

Über die Carl-Zeiss-Stiftung

Die Carl-Zeiss-Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, Freiräume für wissenschaftliche Durchbrüche zu schaffen. Als Partner exzellenter Wissenschaft unterstützt sie sowohl Grundlagenforschung als auch anwendungsorientierte Forschung und Lehre in den MINT-Fachbereichen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). 1889 von dem Physiker und Mathematiker Ernst Abbe gegründet, ist die Carl-Zeiss-Stiftung eine der ältesten und größten privaten wissenschaftsfördernden Stiftungen in Deutschland. Sie ist alleinige Eigentümerin der Carl Zeiss AG und SCHOTT AG. Ihre Projekte werden aus den Dividendenausschüttungen der beiden Stiftungsunternehmen finanziert.

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