Durch die interdisziplinäre Ausrichtung des Forschungszentrums beschäftigt sich ZIRIUS in zahlreichen Kooperationen intensiv mit innovativen Integrationsformen für sozial-, geistes-, natur- und ingenieurwissenschaftliche Forschungsansätze.
Tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen zeigen sich nicht nur in wandelnden Einstellungen, Verhaltensmustern und Konflikten, sondern schlagen sich mit zunehmender Dauer ebenso in der materiellen Umgebung nieder: sie verändern Technik, Architektur und Infrastruktur, welche gleichzeitig wiederum soziale Handlungsmöglichkeiten strukturieren. Soziale und technische Transformationsprozesse können daher nur in Gänze betrachtet werden, wenn neben den klassischen gesellschaftswissenschaftlichen Dimensionen auch diese Bereiche in den Blick genommen werden. Vielen Forschungsfragen zu soziotechnischen Systemen und Zusammenhängen lässt sich nur nachgehen, wenn disziplinäre Grenzen überwunden und i) Methoden verschiedener Fachbereiche angewendet, kombiniert und integriert werden und ii) neue, interdisziplinäre Methoden entwickelt werden. Der Forschungsbereich Interdisziplinäre Methodenintegration bearbeitet die hierbei entstehenden Herausforderungen.
Dafür werden beispielsweise die Ergebnisse quantitativer oder qualitativer Befragungen zur Entwicklung und Parametrisierung agentenbasierter Simulationen herangezogen oder fließen in die Gewichtung multikriterieller Entscheidungsanalysen ein. Ebenso werden Datenerhebungen nach sozialwissenschaftlichen Methoden mit der Messung technischer oder medizinischer Daten koordiniert oder multidisziplinäre Problembetrachtungen über Gruppendelphis interdisziplinär integriert. Zudem werden hierfür qualitative Systemanalysen und Szenariotechnik mit numerischen Simulationen gekoppelt oder durch Aufbereitung zum Serious Game praktisch erfahrbar gemacht. In den beiden letztgenannten Bereichen wird dabei meist auf die am ZIRIUS entwickelte Methode der Cross-Impact-Bilanzanalyase (CIB) zurückgegriffen, weshalb der Forschungsbereich interdisziplinäre Methodenintegration eng mit dem CIB-Lab verschränkt ist.
Weitere Projekte bei ZIRIUS
Aktuelle Projekte des Forschungsbereichs
Mehrstufige Szenarioerstellung mittels Cross-Impact-Bilanzanalyse (CIB) und REMix unter Berücksichtigung von Pfadwechseln und Disruptionen
Im Verbundprojekt Genese erfolgt eine systematische Charakterisierung verschiedener Aspekte des gesellschaftlichen Wandels, die Erfassung der Wirkungen des Wandels auf die Stromnachfrage, eine detaillierte Modellierung der Veränderung von Nachfrageprofilen und die Bewertung dieser Profile über die Einbindung in Energiesystemmodelle mit niedriger zeitlicher Auflösung sowie in Strommarktmodelle mit hoher zeitlicher Auflösung. Das CIB-Lab analysiert Aspekte des gesellschaftlichen Wandels und erstellt mit der CIB konsistente, sektorübergreifende Treiberkonstellationen zum Nachfragewandel, welche als Ausgangspunkt sowie als Bindeglied zwischen den Modellen fungieren.
Als Folge des Klimawandels werden auch in Deutschland zukünftig verstärkt Konflikte um Grund- und Oberflächenwasser erwartet. Im Rahmen des Ladenburger Kollegs der Daimler und Benz Stiftung erforscht ein von ZIRIUS koordiniertes Verbundprojekt diese möglichen Konflikte. Im CIB-Lab werden mit Hilfe von partizipativer Modellierung und Planspielen zukünftige Umfeldfaktoren und Akteursstrategien in ihren Wechselwirkungen untersucht. Wir nutzen CIB in Form partizipativer Modellierung, um interessierten und potentiell betroffenen Stakeholdern zukünftige Wasserkonflikte sowie komplexe Folgen von Handlungsoptionen erfahrbar zu machen. Dazu entwickeln wir im Co-Design eine gemeinsame Webanwendung und führen in drei Fallstudien Planspiele mit CIB durch.
Wolfgang Hauser
Dr.Sprecher Forschungsbereich Interdisziplinäre Methodenintegration / Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Sabine Mücke
Sekretariat