Stuttgarter Exzellenzcluster “Simulation Technology”

IBESSA: Interfaces between energy systems simulation and social systems analysis

IBESSA untersucht den Lebensweg von Energieszenarien, also Prozesse von der Erstellung bis hin zur Rezeption und Verarbeitung durch gesellschaftliche Akteure. IBESSA ist ein Teilprojekt des Exzellenzcluster "Simulation Technology" (SimTech) der Universität Stuttgart

Projektförderung

Exzellenzcluster der Universität Stuttgart Simulation Technology (SimTech)

Projektlaufzeit

Januar 2014 bis September 2017

Das Ziel des Projekts ist die Erforschung von Wahrnehmungs- und Bewertungsmustern von (qualitativen) Energieszenarien durch potenzielle Szenario-Nutzer in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Techniken zur Entwicklung sozio-technischer Szenarien werden kontinuierlich weiterentwickelt; so gewinnt z.B. die methodische Kopplung qualitativer Sozialsystem-Analysen mit quantitativen Energiesystem-Modellierungen in der interdisziplinären Energieforschung zunehmend an Bedeutung. Wie diese Szenario-Konstrukte - als Resultat der unterschiedlichen Methodiken - von Endnutzern jedoch wahrgenommen und nach welchen Mustern die Szenarien bewertet werden sowie ob es Unterschiede zwischen Szenario-Formaten gibt, ist weitestgehend unerforscht. Ein Grund dafür ist der epistemische ’Modus’, in dem Szenarien operieren: Szenarien untersuchen zukünftige Unsicherheiten, distanzieren sich von Wahrscheinlichkeiten und generieren lediglich Möglichkeitsaussagen (vgl. Knight, 1921). Die Szenario-Community verweist daher regelmäßig auf das Konzept der ’Plausibilität’ als sinnvolle Eingrenzung des Möglichkeitsraumes für Szenario-Entwicklung und -Evaluation. Wie Plausibilität in der Praxis genutzt wird, was Plausibilität für den Nutzer ausmacht und welchen Stellenwert es in der Szenario-Forschung einnehmen kann, ist das Anliegen des Dissertationsprojekts. Im Rahmen des Projekts wurde eine semi-experimentelle Studie (n=60) durchgeführt, in der untersucht wurde, wie Plausibilitätsbewertungen zu zwei verschiedenen Szenario-Formaten zustande kommen.

Die Ergebnisse der Studie darauf hin, dass das aktuelle wissenschaftliche Verständnis des Plausibilitätsbegriffs zu wenig Trennschärfe aufweist, um die Ergebnisse der Studie zu erklären. Um einen adäquaten Interpretationsrahmen für die Studienergebnisse zu schaffen, soll das Projekt einen eigenen Beitrag zur konzeptionellen Schärfung des Plausibilitätsbegriffs und somit auch zur Einordnung und Bewertung von Szenario-Techniken leisten. Dies ist Anlass und Gegenstand der beantragten Verlängerung. Dabei bedient sich die Dissertation neueren Forschungsansätzen der kognitiven Psychologie und analysiert diese vor dem Hintergrund zweier dominierender (positivistischer und konstruktivistischer) Konversationsstränge in der Szenario-Literatur. Somit soll die empirische Studie nicht nur theoretisch eingebettet, sondern stärker als ursprünglich geplant auch dazu genutzt werden, einen konzeptionellen und methodischen Beitrag zu leisten.

Mitarbeiterin und Anprechpartnerin